6. Vermögen aufbauen

Alles über ETFs und Fonds

Wie Anleger mit ETFs am besten Vermögen aufbauen können

ETFs ermöglichen es den privaten Anlegern nicht nur, bequem die großen internationalen Indizes wie EuroStoxx 50 oder S&P 500 zu „kaufen.“ Es gibt auch zahlreiche ETFs auf wissenschaftlich bewährte und in der Praxis seit vielen Jahrzehnten untersuchte Aktiengruppen. Und da nehmen zwei Themen eine herausragende Rolle ein, die ich schon seit längerem klar favorisiere, weil sie eine deutliche Mehrrendite gegenüber reinem Index-Investieren bieten: Der Anlagestil und die Unternehmensgröße. Langfristig, das hat der amerikanische Nobelpreisträger Professor Eugene Fama bewiesen, schneiden niedrig bewertete Value-Aktien (auch Substanzaktien genannt) besser ab als Growth-Aktien, und Aktien kleiner Unternehmen (die so genannten Nebenwerte) besser als die großer Konzerne. Und das in nahezu allen Ländern. In der Wissenschaft ist Famas Ansatz als Small Cap-Value-Premium berühmt geworden.

ETFs machen den Einstieg in Nebenwerte-Indizes anderer Länder und Regionen leicht und preiswert. Da auch international Aktien kleinerer Unternehmen langfristig besser abschneiden als große, sollten Anleger gezielt das attraktive „Small-Cap-Premium“ an fremden Märkten nutzen. Also: Keine Scheu vor ETFs auf Small-Cap-Indizes, die ganze Erdteile (wie Europa oder Asien), ganze Ländergruppen (z.B. Emerging Markets) oder große Staaten (USA) abbilden. Das erhöht den Diversifikationseffekt, senkt damit das Risiko und steigert in der Regel die Rendite.

Das beste Beispiel dafür, dass Klein bei Aktien auf Dauer Groß schlägt, liegt direkt vor unserer Haustür: Der MDAX, der 60 mittelgroße deutschen Unternehmen umfasst, schneidet langfristig sehr viel besser ab als sein großer Bruder DAX. In den 10 Jahren bis September 2019 kletterte der MDAX mit 284% Zuwachs mehr als doppelt so stark wie der DAX mit 124%. Und seit dem Beginn der Berechnung der DAX-Indizes liegt der MDAX meilenweit vorn. Während der DAX seit Ende 1987 von 1000 Punkten bis September auf über 12 000 Zähler kletterte, verbesserte sich der MDAX von 1000 auf über 26 000 Punkte. Sowohl für die Einmalanlage eines größeren Betrags als auch für das kontinuierliche Anlegen mit einem Sparplan sollten Sie die langfristig ertragreichsten Anlageklassen einbeziehen.

Wie sehr sich das langfristig lohnt, können Sie am nachstehenden Chart ablesen.

Er zeigt die Performance (also Kursgewinne plus Dividenden) im Zeitraum von Ende September 1999 bis Ende September 2019, also in einer Phase, in der mit den Crashs von 2001 bis 2003 und 2008/2009 die stärksten Kurszusammenbrüche seit dem großen Krach von 1929 stattfanden – und dazu diverse Mini-Crashs. Wer als deutscher Anleger vorwiegend in den DAX investiert hat, schnitt erheblich schlechter ab als mit einer breiten, weltweiten Streuung mit besonderem Schwerpunkt auf kleine Aktien, Schwellenländer und dividendenstarke Value-Titel. Nach diesem Prinzip ist auch der von mir konzipierte Pro Select-Weltfonds aufgebaut, der diese und weitere renditestarke Indizes mit ETFs nachbildet.
Der MSCI World mit den großen Aktien der Industrieländer rentierte mit 6,0% zwar deutlich besser als der DAX, aber auch viel schwächer als der MDAX, der MSCI Emerging Markets, der MSCI World Small Cap oder gar der MSCI World Dividend/Value, der fast dreimal so viel zugelegt hat als der DAX.

Beim Aufbau eines Wertpapierdepots sollten Sie diese vier Punkte besonders berücksichtigen:

1. Aktien weltweit breit streuen – das erhöht die Rendite und senkt das Risiko. Mit ETFs ist das auch mit kleinen Beträgen bequem möglich.

2. Auf wissenschaftliche Erkenntnisse setzen und diejenigen Anlageklassen höher gewichten, die langfristig die besten Ergebnisse bringen. Das sind Value-Aktien, also günstig bewertete Substanzwerte, Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen, dividendenstarke Aktien und Schwellenländer-Aktien. Für alle diese Anlageklassen gibt es zahlreiche ETFs, sowohl mit Schwerpunkt global als auch regional oder national.

3. Mit einem Teil des Aktiendepots auf langfristige Trends setzen – beispielsweise auf Gesundheit, Wasser. Künstliche Intelligenz oder Elektromobilität. Auch für diese Spezialthemen gibt es eine Vielzahl an ETFs.

4. Sicherheit einbauen, indem ins Depot ein risikofreier Anleiheanteil aufgenommen wird. Er sollte je nach Alter und Risikobereitschaft 10 bis 50 Prozent betragen. Mit Anleihen-ETFs lässt sich das eine derartige Mischung breit gestreut mit geringen Kosten bewerkstelligen.

Wie lässt sich das in der Praxis verwirklichen?

Einmalanlage in Aktien-ETFs von angenommen 10 000 Euro:

Da Banken und Sparkassen oft Mindestprovisionen bei Wertpapiertransaktionen verlangen lohnt es sich oft nicht, die 10 000 Euro auf zu viele ETFs zu verteilen. Mehr als vier Indexfonds würden zu hohe Bankgebühren verschlingen.

Viele ETF-Experten raten bei Beträgen in dieser Größenordnung nur zu einem Aktien-ETF, nämlich auf den MSCI World. Ich halte von diesem Rat nicht viel. Zum einen, weil damit nur die Industrieländer abgedeckt werden und die wachstumsstärkeren Schwellenländer völlig außen vor bleiben. Zum anderen, weil der MSCI Weltindex zu USA-lastig ist, da 60 Prozent der Kursentwicklung von amerikanischen Aktien abhängt. Deutschland dagegen hat nur ein Indexgewicht von rund 3,5 Prozent. Außerdem enthält der MSCI Welt keine Mid- und Small-Cap-Aktien. Deshalb ist es für deutsche Anleger sinnvoller, nur 40 Prozent in einen ETF auf den MSCI World anzulegen und die anderen 6000 Euro in ETFs auf den MSCI Emerging-Market, den MDAX (damit werden gleichzeitig Deutschland und der Faktor Nebenwerte höher gewichtet) und einen Dividenden-ETF wie den S&P Global Dividend Aristocrats (der Aktien enthält, deren Dividenden seit mindestens zehn Jahren nicht gesenkt worden sind) zu verteilen.

Wenn Sie mehr als 10 000 Euro in Aktien investieren wollen, können Sie natürlich weitere Bausteine hinzunehmen. Bei 15 000 Euro können Sie den Betrag auf fünf oder sechs ETFs verteilen, bei 20 000 Euro auf bis zu acht ETFs.

Sparplan mit Aktien-ETFs

Etwas anders sieht es aus, wenn Anleger regelmäßig (monatlich, zweimonatlich oder vierteljährlich) eine bestimmte Summe in einen Sparplan investieren möchten. Bei den Onlinebanken ist das schon mit Raten ab 25 Euro möglich. Bei diesen Summen, die auch junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens aufbringen können dürften, ist es natürlich nicht möglich zu splitten. Hier bietet sich tatsächlich der MSCI World an – trotz der Mängel. Eine Alternative wäre der MSCI ACWI Index. Das ACWI steht für All Country World Index. Er vereinigt den MSCI Welt und den MSCI Emerging Markets und enthält rund 2800 Aktien aus 23 Industrie- und 26 Schwellenländern.

Bei höheren regelmäßigen Sparsummen können die Beträge gesplittet werden. Da die Onlinebanken ETF-Sparpläne zum Teil ohne Gebühren oder mit nur geringen Kaufkosten anbieten und zudem die Depotführung häufig kostenlos ist, können bereits mit 200 Euro bis zu vier verschiedene ETFs gemischt werden – beispielsweise in die beim 10 000-Euro-Depot aufgeführten Indexfonds.

Egal, ob als Einmalanlage oder als Sparplan – ganz wichtig ist es, die ETFs nicht hin und her zu handeln, sondern konsequentes Buy and Hold zu praktizieren, also kaufen und liegenlassen, oder um es mit Warren Buffet zu sagen: „Meine bevorzugte Anlagedauer ist für immer.“ Nur wer das beherzigt, kann die vielen Vorteile von ETFs langfristig komplett nutzen. Jedes Traden kostet Geld, Nerven und auf Dauer Rendite.

MEIN FAZIT
Ob Einmalanlage oder Sparplan, ob kleinere oder größere Anlagebeträge – mit der richtigen Mischung aus globalen und auf langfristig überdurchschnittlich ertragreiche Anlageklassen und Branchen spezialisierten ETFs erzielen Anleger attraktive Erträge bei gebremstem Risiko.

Foto: Farion_O/istockphoto.com

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