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Die Revolution der Geldanlage:

Mein neues Buch ist
seit Ende Februar
im Buchhandel und im Internet
erhältlich

Meine neues Buch – Leseproben

Die Revolution der Geldanlage – Wie Sie mit einfachen Methoden erfolgreich investieren

Hier finden Sie kurze Auszüge aus verschiedenen Kapiteln meines Buches. Sie beleuchten die vielfältigen Themen, die ich verarbeitet habe, von der Revolution der Geldanlage bis zum Aufbau eines ETF-Depots für kleine und große Beträge, für Einmaleinlagen und Sparpläne.

Über die Revolution der Geldanlage

Mit der Etablierung der Indexfonds begann der erste Teil einer Revolution
an der Wall Street, aber sie war noch nicht existenzbedrohend für das
Heer der Analysten. Denn für Indexfonds gibt es, wie bei anderen Publikumsfonds,
nur einmal pro Tag einen Kurs, zu dem man Anteile kaufen
oder verkaufen kann. Erst als der zweite Teil der Revolution folgte, wurde
es für die Eliten an der Wall Street ernst.
Das war, als im Jahr 1993 die State Street Corporation in Boston, die älteste
Bank Amerikas, gegründet 1792, eine moderne Form der Indexfonds,
die ETFs, erfand. Das Akronym ETF bedeutet Exchange Traded Fund – zu
Deutsch börsengehandelter Fonds –, dessen Kurs fortlaufend bestimmt
wird und der jederzeit wie eine Aktie an der Börse gekauft oder verkauft
werden kann. Danach schossen die Indexfonds wie Pilze aus dem Boden.
Darauf folgte ein für die traditionelle Investmentwelt niederschmetternder
Tiefschlag: Die Forschungen der Finanzwissenschaft ergaben,
dass über 90 Prozent der Rendite und ebenso 90 Prozent des Risikos eines
Portfolios von den in ihm enthaltenen Aktienklassen bestimmt werden.
Weniger als zehn Prozent der Rendite und des Risikos sind demnach
der Auswahl einzelner Wertpapiere (Stock Picking) und dem Markt-Timing
zuzuschreiben.
Aus der Investmentpraxis kamen exakt die gleichen, für die Investmentgilde
schockierenden Ergebnisse: Die Dimensional Fund Advisors, eine
Fondsgesellschaft in Kalifornien, untersuchten die Ergebnisse von 44
Pensionsfonds mit einem Volumen von etwa 450 Milliarden Dollar. Die
umfangreiche Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass über 96 Prozent
der Erträge allein den Anlageklassen in den Portfolios zu verdanken
waren. Nur gerade einmal vier Prozent waren der Aktienauswahl und
dem Timing von Käufen und Verkäufen zuzuschreiben. Das war der finale
Tiefschlag für die altehrwürdige Königsdisziplin der Finanzwirtschaft.

Es war fast so wie die revolutionäre Entdeckung des Astronomen Nikolaus
Kopernikus, dessen Studien ihn zu der Überzeugung führten, dass
nicht die Sonne die Erde umkreise, sondern dass die Sonne im Mittelpunkt
des Weltalls ruhe und dass – genau umgekehrt – die Erde und die
Planeten sich in Kreisen um sie bewegten. Sein großes Werk Über das
Kreisen der Himmelskörper leitete, auch wenn nicht alle seiner Annahmen
richtig waren, eine neue geistige Epoche der Menschheit ein, die so genannte
kopernikanische Wende. Aus Angst vor der Reaktion der Kirche
ließ er sein brisantes Werk erst kurz vor seinem Tod drucken.
Die Wende in der Anlagepolitik beschrieb der Finanzwissenschaftler
William Bernstein so: »Ihre Investmentperformance wird fast vollständig
durch einen einzigen Faktor bestimmt – Ihre Asset-Allokation über breite
Assetklassen hinweg. Aktien- oder Fonds-Picking sowie Markt-Timing – die
Faktoren, von denen traditionell angenommen wird, 
sie würden den Anlageerfolg bestimmen – sind tatsächlich fast irrelevant.«

Über die Auswirkungen der Digitalisierung

Deutschland hinkt in der Digitalisierung hinter vielen anderen Ländern
her. Eine Studie von ZEW und Fraunhofer-Institut hat Mitte 2017 ergeben,
dass Deutschland hier weltweit nur auf Platz 17 rangiert, weit hinter
den USA, Großbritannien oder Finnland und sogar einen Platz hinter
Frankreich. Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen nutzten künstliche
Intelligenz. Da bin ich entsetzt, dass die deutsche Wirtschaft und
die Regierung nichts gegen den Verkauf von Kuka unternommen hat, des
größten deutschen Roboter-Unternehmens und Vorreiters des Konzepts
Industrie 4.0. Erst als es zu spät war und die Augsburger Kuka fast vollständig
der chinesischen Midea gehörte, kam der große Aufschrei. Dabei
ist, jenseits aller Schreckensmeldungen über massive Arbeitsplatzverlus-
te eines sicher: Künstliche Intelligenz wird zu einer, vielleicht sogar der
Schlüsseltechnologie der nächsten Jahrzehnte werden, nicht isoliert, sondern
im Verbund mit der Digitalisierung nahezu aller Geschäftsprozesse.
So gehen beispielsweise Stahlunternehmen davon aus, dass sich mit
Hilfe von KI und besserer Vernetzung bis zu 30 Prozent aller Kosten einsparen
lassen, vor allem in der Logistik, also beim Einkauf der Rohmaterialien
und beim Vertrieb der fertigen Produkte. Dass hier Arbeitsplätze
wegrationalisiert werden, dürfte jedem klar sein. Wenn schon eine der typischsten
Branchen der Old Economy so massive Effizienzgewinne erwartet,
wie sieht es dann erst in den technologisch höher stehenden Sektoren
aus? Möglicherweise wiederholt sich ja jetzt bei der KI das, was wir schon
mit der Einführung des Internets erlebt haben: Am meisten profitierten
damals die Anwender und die Lieferanten von Hardware für die Internetnutzung.
Und langfristig auch die Arbeitnehmer?
Dank steigender Produktivität könnte dann die Arbeitszeit verkürzt
werden, wie dies ja auch die Technologieschübe der vergangenen Jahrzehnte
ermöglicht haben. Jack Ma, der visionäre Gründer und Chef des
chinesischen Internetriesen Alibaba, hat Mitte 2017 die Welt in einem Interview
mit dem US-Fernsehsender CNBC mit seinem Optimismus überrascht:
»Glauben Sie es oder nicht, ich denke, in den nächsten 30 Jahren
werden Menschen vier Stunden am Tag arbeiten und vielleicht vier Tage
die Woche.«
Was aber hat das alles mit der Geldanlage zu tun, werden Sie fragen?
Sehr viel, wie ich schon angedeutet habe. Zum einen, weil die Umbrüche
am Arbeitsmarkt, die in den kommenden Jahrzehnten bevorstehen, viele
so genannte unterbrochene Lebensläufe hervorbringen werden, mit der
Konsequenz, dass viele Beschäftigte nicht wie in der Vergangenheit 40
oder gar 50 Jahre lang regelmäßig in die gesetzliche Rentenversicherung
einzahlen können, sondern deutlich weniger. Und dies bedeutet, dass die
Rente im Vergleich zum letzten Arbeitseinkommen noch geringer ausfallen
wird, als sie es aufgrund der in die Rentenformel eingebauten Kürzungsschritte,
die von den Regierungen bereits beschlossen worden sind,
ohnehin tut.
Sich im Alter allein auf Vater Staat zu verlassen ist deshalb extrem
fahrlässig, weil er den Lebensstandard nie und nimmer sichern wird.
Private und berufliche Vorsorge ist deshalb überlebenswichtig. Und hier
gibt es in der jetzigen Nullzinsphase einfach keine Alternative zu Aktien
und aktienbasierten Produkten wie Fonds und ETFs, um aus den Ersparnissen
eine nennenswerte Zusatzversorgung zu bekommen. Denn langfristig
werfen Aktien mit Abstand den höchsten Ertrag aller Geldanlagen
ab.
Zum anderen werden Unternehmen und deren Aktien die großen Gewinner
der Roboter-Revolution sein, und zwar Unternehmen, die in diesem
rasant wachsenden Bereich erfolgreich mitmischen, ebenso wie die
Firmen, die von den Effizienzsteigerungen besonders stark profitieren.
Ich bin mir sicher, dass wir nicht nur bei den Arbeitsplätzen einen raschen
Wandel erleben werden, sondern auch auf der Unternehmensebene.
So manche Firma, die den technologischen Anschluss verliert, wird
pleitegehen oder geschluckt werden, sowohl bei den Herstellern der KI als
auch bei den Abnehmern. Wer jedoch überlebt, kann mit hohen Gewinnen
rechnen, die natürlich auch den Aktionären zugutekommen werden.
Da aber niemand verlässlich vorhersagen kann, welche Unternehmen
in diesen Umbruchphasen erfolgreich sein werden und welche ihre Existenz
aufgeben müssen, bieten sich Indexfonds auf breite Aktienindizes
als Königsweg an. Durch die breite Streuung bleiben Anleger von massiven
Kursverlusten verschont, weil die Verluste der erfolglosen Aktiengesellschaften
durch die Gewinne der erfolgreichen mehr als ausgeglichen
werden dürften – so wie das bisher noch bei jedem Technologiesprung
der Fall war. Der große österreichische Ökonom Joseph Schumpeter hatte
solch einen Vorgang schon vor einem Jahrhundert als »schöpferische
Zerstörung« bezeichnet, die eine wichtige Triebfeder des wirtschaftlichen
Fortschritts sei.
Und der US-Wirtschaftsprofessor Jeremy Siegel bezeichnet es als entscheidend
für die Aktienrendite, dass junge, erfolgreiche Unternehmen
die erfolglosen im Depot ersetzen, was bei ETFs quasi automatisch geschieht.
Denn die Verlierer scheiden meistens rasch aus den Indizes aus,
während die Aufsteiger neu aufgenommen werden und eine höhere Gewichtung
in den Indizes bekommen. Dadurch sind Anleger mit Indexfonds
automatisch in einem Querschnitt ausgewählter, qualifizierter Unternehmen
ertragreicher und sicherer investiert, als es Stock Picker sind,
die in mühevoller Arbeit mehr oder weniger erfolgreich versuchen, die
besten Aktien herauszufiltern.

 

Über das Märchen von den reichen Deutschen

Immer wenn es darum geht, einem Problemland in der Eurozone aus der
Patsche zu helfen, werden die Deutschen als Retter gerufen. Vielen Berliner
Politikern von links bis rechts kommt dann die Behauptung locker
über die Lippen, dass Deutschland ein wohlhabendes Land sei. Und auch
die Bundesregierung beteuert unaufhörlich, wie gut die Deutschen doch
dastehen. Daher müssten wir Solidarität mit den armen Südeuropäern
üben. Wir könnten uns die Retterei doch locker leisten.
Zu schön wäre es, wenn dies alles stimmen würde. Doch die Erzählungen
vom »reichen Deutschland« und dem »armen Südeuropa« sind leider
nur ein Märchen. Und es wird auch nicht wahrer, wenn uns Medien und
Politik immer und immer wieder dieses Ammenmärchen erzählen. In
Wirklichkeit macht Deutschland viel zu wenig aus der Leistungsfähigkeit
der Wirtschaft und dem Fleiß seiner Bevölkerung.
Die Realität ist, dass Deutschland zwar ein wirtschaftlich starkes, jedoch
kein wohlhabendes Land ist. Die Menschen, die in den EU-Problemländern
mit hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder internationaler Konkurrenzfähigkeit
und ausufernden Staatsschulden leben müssen, stehen finanziell
vielfach besser da als die Deutschen, zum Teil sogar dramatisch besser.
Ganz zu schweigen von den EU-Ländern, die wirtschaftlich einigermaßen
gesund sind. Das Märchen von den reichen Deutschen sollten Sie also keinesfalls
glauben. Aus guten Gründen, die ich Ihnen aufzeigen möchte.
Fangen wir mit dem Allianz Global Wealth Report an, der jedes Jahr die
Vermögensentwicklung der Industrie- und Schwellenländer anhand statistischer
Daten ausweist. Er führt die Bundesbürger beim Geldvermögen
pro Kopf im Wealth Report 2017 unter allen 53 untersuchten Staaten auf
Rang 19. Allein in der EU sind in neun Staaten die Bürger reicher. Das
durchschnittliche Bruttogeldvermögen (Vermögen ohne Immobilien, al-
so vor allem Zinsanlagen, Versicherungs- und Altersvorsorgeprodukte sowie
Aktien und Fonds) pro Kopf beträgt hierzulande gut 70.000 Euro.
Das ist weniger als ein Drittel dessen, was Schweizer (269.000 Euro) und
US-Amerikaner (222.000 Euro) besitzen, und gerade einmal etwa halb so
viel wie die Dänen, die Niederländer und die Schweden. Auch in Großbritannien,
Belgien, Norwegen, Frankreich, Österreich und sogar in Irland
(dem ehemaligen Armenhaus Westeuropas!) sind die Menschen im
Durchschnitt reicher an Geldvermögen.
Diese kärglichen Vermögenswerte der Deutschen sind aber lange
noch nicht das Ende der Geschichte. Es gibt ja auch noch Immobilienvermögen.
Wenn man die Häuser und Wohnungen zum Geldvermögen
hinzurechnet, wird die Mär von den reichen Deutschen vollends zerstört.
Beim Gesamtvermögen zählt Deutschland in Europa nämlich zu den
Schlusslichtern. Denn die Eigentumsquote, die den Anteil der Haushalte
misst, die eine Immobilie besitzen, liegt mit 52 Prozent weit unter der
Spaniens (78 Prozent), Griechenlands (75 Prozent), Italiens (73 Prozent)
oder Frankreichs und Großbritanniens (je 64 Prozent), um nur einige der
EU-Staaten zu nennen. In den osteuropäischen EU-Mitgliedsländern besitzen
sogar durchschnittlich über 80 Prozent Wohneigentum.
Beim Gesamtvermögen kommt man deshalb zu wahrlich erschreckenden
Ergebnissen. Dazu zunächst ein Blick zurück: Erinnern Sie sich noch an den
Aufschrei, der durch das Land ging, als im Jahr 2013 die Europäische Zentralbank
(EZB) eine Studie zu Armut und Reichtum in den Mitgliedsländern
des Euroraums veröffentlicht hat? Da lag, Geld- und Immobilienvermögen
zusammengezählt, Luxemburg mit durchschnittlich 710.000 Euro Vermögen
je Haushalt vorn. Für das Paradies von Banken, Steuerakrobaten – die in
Wirklichkeit oft Steuerhinterzieher sind – und Europapolitiker war das wenig
überraschend. Luxemburg ist innerhalb der EU die Made im Speck.
Aber dann folgte schon Zypern mit 671.000 Euro – genau das Zypern,
das kurz zuvor von der EU mit Milliardensummen vor der Pleite bewahrt
worden war. Das war schon sehr seltsam. Nach dem kleinen Malta kamen
dann in der Vermögensrangliste mit Belgien, Spanien, Italien und Frankreich
vier weitere Länder, die mehr oder weniger stark die Schuldenkrise
verursacht hatten. Sie wiesen Gesamtvermögen zwischen 339.000 Euro
und 233.000 Euro je Haushalt auf. Den Durchschnitt aller Eurostaaten berechneten
die Notenbank-Statistiker mit 231.000 Euro. Und wo bleibt da
Deutschland?, werden Sie fragen. Mit durchschnittlich lediglich 195.000
Euro pro Haushalt rangierte »unser reiches Land« deutlich darunter, weit
im unteren Drittel.

 

Über die Angst vor der Altersarmut

Vermutlich gibt es nicht viele Themen, über die in Deutschland so viele
Studien und Umfragen erstellt werden wie über die Altersarmut. Allein in
der Zeit, in der ich an diesem Buch gearbeitet habe, waren es mehr als ein
halbes Dutzend. Und alle kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Die Angst
vieler Deutscher vor Altersarmut oder vor großen Abstrichen am gewohnten
Lebensstandard ist groß. Und das nicht ohne Grund. Ich will hier nur
zwei Untersuchungen als Beispiele herausgreifen:
Ende März 2017 hat das Sinus-Institut eine Meinungsumfrage bei 40-
bis 55-Jährigen veröffentlicht. Danach haben 37 Prozent von ihnen sehr
viel Angst vor Altersarmut und weitere 39 Prozent etwas Angst. Drei Viertel
aller Deutschen in dieser Altersgruppe beschleicht also eine mehr oder
minder große Furcht. Ähnlich sieht es mit der Angst aus, den Lebensstandard
als Rentner nicht halten zu können. Immerhin 24 Prozent haben eine
sehr große Angst davor, weitere 46 Prozent etwas Angst. Zusammen
also 70 Prozent, die von Ängsten geplagt werden. Für ein Land mit einer
solchen Wirtschaftskraft ist das fürwahr ein Armutszeugnis.
Aber ist diese Angst wirklich berechtigt? Diese Frage haben mehrere
wissenschaftliche Studien beantwortet, so eine Untersuchung der
Bertelsmann Stiftung von Ende Juni 2017. Sie kommt zu dem Ergebnis,
dass die Armutsrisikoquote, also der Anteil der Rentner unterhalb der
Armutsschwelle im Vergleich zu allen Ruheständlern, von 16 Prozent in
den Jahren 2015 bis 2020 auf über 20 Prozent in der ersten Hälfte der
2030er Jahre zunehmen wird. Davon wäre also jeder fünfte Rentner betroffen.
Untersucht wurden allerdings nur Geburtsjahrgänge bis 1969. Für
später Geborene wird die Quote noch stärker steigen, weil ab dem Jahr
2030 die geburtenstarken Jahrgänge geballt in den Ruhestand wechseln
und die Rentenkürzungen und die Nullzinsphase ihre volle Wucht entfalten
werden. Für die Bundesbürger, die 2018 48 Jahre und jünger sind,
sehen die Aussichten also noch viel schlechter aus als für die von der Bertelsmann
Stiftung erfassten Altersstufen. Das bestätigen auch Studien aus
dem Jahr 2016, die den Zeitraum bis 2040 oder gar 2050 auswerten und
damit die Menschen betreffen, die jetzt 35 bis 45 Jahre alt sind. Den noch
Jüngeren dürfte es noch schlimmer ergehen.
Mich erstaunt immer wieder, dass trotz dieser Ängste und trotz dieser
wissenschaftlich verbrieften Verschlechterung der finanziellen Situation
im Alter die Politik keine einigermaßen tragfähigen und langfristigen Lösungsvorschläge
für dieses Riesenproblem anbietet. Vor allem von Kanzlerin
Merkel in ihrer langen Amtszeit hätte man doch eigentlich erwarten
können, dass sie die Rentenproblematik anspricht und Pläne für deren
Entschärfung vorlegt. Aber weit gefehlt. Sie hat sich lieber vor dem unangenehmen
Thema weggeduckt und sich sogar echauffiert, als der Deutsche
Gewerkschaftsbund DGB im Herbst 2016 eine Kampagne gegen Altersarmut
gestartet hat. Das nutze, so die Begründung für ihre Ablehnung
des Themas, ja nur der AfD.
So ein Blödsinn, kann ich da nur sagen. Das ungelöste Problem der
auskömmlichen Altersrente einfach mit einem billigen parteipolitischen
Argument vom Tisch zu wischen, grenzt schon an Verantwortungslosigkeit.
Die Kanzlerin will einfach die Lösung eines Problems, das so vielen
Deutschen unter den Nägeln brennt, lieber in die Zeit nach 2030 verschieben.

 

Über Frauen und Altersarmut

An den tatsächlichen Rentenhöhen sieht man klar, dass Frauen besonders
stark von Altersarmut betroffen sind und künftig noch viel mehr sein werden.
Da sie als Mütter und Hausfrauen oft die viel zitierte unterbrochene
Erwerbsbiografie aufweisen (sie zahlen im Durchschnitt nur knapp 32 Jahre
in die Rentenversicherung ein, Männer fast 41 Jahre) und zudem deutlich
weniger verdienen als Männer, reicht die gesetzliche Rente bei sehr vielen
Frauen bei weitem nicht aus, um sorgenfrei leben zu können. Das gilt vor
allem für Alleinstehende, die nach der Bertelsmann-Studie mit Abstand am
stärksten von Altersarmut bedroht sind. Frauen müssen, um den freien Fall
ins Bodenlose zu vermeiden, privat also viel ertragreicher anlegen als Männer
– wie das geht, zeige ich im Kapitel über die Altersvorsorge auf.
Die Ängste vieler Frauen vor zu wenig Einkommen nach ihrer Berufstätigkeit
sind also mehr als berechtigt. Aber auch über die Geschlechtergrenze
hinweg gibt es Gruppen, die im Alter vor einem finanziellen
Abgrund stehen. Die Bertelsmann-Studie nennt unter den Arbeitnehmern
vor allem Langzeitarbeitslose, Niedrigqualifizierte und Menschen mit
Migrationshintergrund. Aber auch Solo-Selbständige, also Einmann- oder
Einefrau-Unternehmen, zu denen viele Freiberufler und Handwerker gehören,
sind zum Teil stark gefährdet. Das liegt daran, dass sie während
ihrer Selbständigkeit nicht verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung
einzutreten. Entsprechend erhalten sie auch keine Rentenzahlungen
für die Zeit ihrer Selbständigkeit. Sie können zwar freiwillig in die
Rentenkasse einzahlen, aber das machen nicht viele, und wenn, dann erst
kurz vor dem Rentenalter.
Diese Gruppen sind deshalb überwiegend auf ihre private Altersvorsorge
angewiesen – die sie aber häufig arg vernachlässigen. Zudem bevorzugen
die meisten die falschen Vorsorgeformen, also solche mit einem
Übermaß an Sicherheit wie Lebensversicherungen oder Riester oder
Rürup. Diese Fehlentscheidungen bezahlen sie generell mit niedrigen Erträgen,
aktuell in der Nullzinsphase gleichen sie nicht einmal die Geldentwertung
aus.

 

Über die Zukunft des Euro

Die Europäische Zentralbank hat mit ihren maßlosen Anleihekäufen die
Finanzmärkte bereits per Ende 2017 mit über zwei Billionen (das sind
über 2.000 Milliarden) Euro überflutet und unverfroren die verbotene
Staatsfinanzierung betrieben. Damit hat sie jeglichen Reformeifer in den
südeuropäischen Staaten, denen diese massiven Manipulationen hauptsächlich
dienen, zum Erliegen gebracht. Das traurige Ergebnis ist, dass
die Problemländer heute höher verschuldet sind als jemals. Für Deutschland
und die Länder im Norden der Europäischen Union war die Politik
der EZB völlig kontraproduktiv.
Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es in der Großen Koalition
keine auch hier dringend notwendigen Reformen gegeben. Deutschland
hat vor allem vom schwachen Euro profitiert, der eine enorme Exportnachfrage
auslöste. An der Oberfläche sieht es derzeit in der Eurozone
zwar besser aus, auch dank des weltweiten Konjunkturaufschwungs.
Doch strukturell steht sie jedoch schlechter da als zuvor. Und Europa driftet
stärker auseinander, als es zusammenwächst.
Für die Deutschen gibt es in puncto Zukunft des Euro nach meinem
Dafürhalten nur drei Szenarien: Im ersten Szenario machen wir weiter wie
bisher. Das hieße am Ende: Vergemeinschaftung der Schulden und der
Spareinlagen der Banken, Eurobonds und Transferunion. Das ist das Szenario,
das die Schuldnerländer, allen voran Italien, unverhohlen anstreben.
Wenn wir jedoch noch tiefer in den Schuldenstrudel hineingezogen
würden, dürfte es die Leistungsfähigkeit Deutschlands überfordern und
der Wirtschaft schaden. Dann wäre es vorbei mit dem Status des wirt-
schaftlichen Klassenbesten. Doch erst, wenn es wirtschaftlich abwärtsgeht,
ist in Deutschland die Zeit reif für Reformen. Das wusste schon
Ludwig Erhard, wenn er sagte, dass die Deutschen ihre höchsten Tugenden
in der Not entfalten würden.
Das zweite Szenario wäre ein Austritt von einem oder mehreren Ländern
aus der Währungsunion. Vielleicht wird der Euro gar in zwei unterschiedliche
Eurozonen aufgeteilt: In einen Nord-Euro und einen Süd-Euro.
Das Dilemma einer solchen Entwicklung läge vor allem darin, wo
Frankreichs Platz wäre. Als einer der Gründungsväter der europäischen
Einigung wird die Grande Nation sich nie und nimmer in die Süd-Phalanx
drängen lassen, wo eigentlich ihr angemessener Platz wäre. Die Auf- bzw.
Abspaltung des Euro kann man heute – so oder so – schwer abschätzen.
Die Konsequenzen allerdings wären dramatisch: Die Währungen der
wirtschaftlich schwachen Staaten würden sofort drastisch abwerten. Auf
mittlere Sicht jedoch würden sie durch diesen Schnitt und nach anfänglichen
Turbulenzen wieder wettbewerbsfähig.
Sollte auf der anderen Seite ein wirtschaftlich starkes Land, etwa
Deutschland, den Austritt erwägen (ich halte diese Entwicklung für sehr
unwahrscheinlich), so wäre dies zunächst ein Schreckensszenario. Diese
neue D-Mark würde um 30 bis 40 Prozent aufwerten, die Exporte würden
stark einbrechen, das Wirtschaftswachstum zurückgehen und die Arbeitslosigkeit
ansteigen. Zwar würden die Einfuhren billiger und die Kaufkraft
der Verbraucher würde steigen. Doch müsste sich die deutsche Industrie
einer Abspeckkur und einem Fitnessprogramm unterziehen. Denn
ähnlich wie ein Spitzensportler, der sich für Höchstleistungen ständig fit
halten muss, verhält es sich auch in der Wirtschaft, die wegen des für
Deutschland zu billigen Euro nicht gezwungen wurde, sich fit zu halten.
Der Export lief auch ohne besondere Anstrengungen. Die deutsche Wirtschaft
hat zu D-Mark-Zeiten 18 Aufwertungen verkraftet und hat trotzdem
große Exporterfolge erzielt, weil sie eisern gezwungen wurde, sich fit zu
halten. Das ist heute leider nicht der Fall.
Doch eine Aufwertung bei floatenden Wechselkursen ist nicht in Stein
gemeißelt: Würden die Exporte stark zurückgehen, dann würde sich
auch die Handels- und Leistungsbilanz und als Folge die Aufwertung der
D-Mark verringern. Die Horrorszenarien, die uns von manchen Politikern
und Ökonomen vorgegaukelt werden, sind entweder Zeichen von
Unwissenheit oder von Demagogie.
Kommen wir zum dritten Szenario: Die Währungsunion fliegt komplett
auseinander. Dies würde ähnlich ablaufen wie Szenario zwei, nur
um ein gutes Stück dramatischer und turbulenter. Und mit wesentlich
höheren Anpassungskosten für Wirtschaft und Bevölkerung. Selbst wenn
dieser äußerste Fall einträte, bleibt festzuhalten, dass die Welt nach Auflösung
der Lateinischen Münzunion auch nicht unterging. Das Gleiche würde,
wenn auch in erheblich größeren Ausmaß, gelten, wenn der Euro unterginge.
Die Gleichsetzung des Euro mit der Europäischen Union, der in dem
dümmlichen Satz von Angela Merkel gipfelt – »Scheitert der Euro, dann
scheitert Europa« –, ist irreführend und unzutreffend. Die Europäische
Union und den gemeinsamen Binnenmarkt gab es schon vor dem Euro
und es würde sie auch nach dem Euro noch geben. Das Gegenteil von Frau
Merkels Diktum ist richtig: Der Euro hat in der EU eine Zweiklassengesellschaft
geschaffen, die die Europäische Union in zwei Lager spaltet. Wie
auch immer, der Euro bleibt ein Pflegefall. Denn so wie bisher, mit ein
bisschen Herumkurieren an den Symptomen, ein paar weiteren Rettungspaketen
und halbherzigen Reförmchen, kann es nicht weitergehen.

 

Über den Zusammenhang von Risiko und Rendite

Milton Friedman, der im Jahr 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften
erhielt, war einer der einflussreichsten Volkswirte in der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Professor der University of Chicago meinte
treffend: »There is no such thing as a free lunch.« Frei übersetzt: »Ein
Gratismittagsessen gibt es nicht.«
Professor Friedmans Worte auf die Finanzwelt übertragen beschreiben
den Mechanismus an der Börse auf den Punkt genau: Investments,
die einen höheren Ertrag als Festgeld oder kurzfristige Staatsanleihen erbringen,
weisen auch ein höheres Risiko auf. Risiko bedeutet eben, dass
erwartete Erträge manchmal ausbleiben oder sich gar in Verluste umkehren
können. Wäre das nicht so, gäbe es die höheren Renditen nicht. Kein
Gratismittagessen, keine Gratisrendite.
Jeder erfahrene Börsianer weiß: Von Anlagen, die ein geringeres Risiko
aufweisen – also weniger stark schwanken –, ist langfristig auch keine
hohe Rendite zu erwarten. Rendite ist die Belohnung für das Tragen von
Risiko. Und die Höhe der Rendite hängt entscheidend davon ab, wie hoch
die erwartete Unsicherheit ist. Risiko und Rendite sind nicht voneinander
zu trennen, sie sind wie zwei Seiten einer Medaille.
Das finanzielle Risiko an der Börse kann man ganz allgemein betrachtet
auch auf das menschliche Leben umlegen: Wer immer auf ›Nummer
sicher‹ geht, wird vermutlich nie einen Gipfel erklimmen und folglich
wird er auch nie abstürzen. Ein solcher Mensch muss sich dann aber auch
mit einem durchschnittlichen Ertrag oder Einkommen begnügen. Wer
jedoch als Unternehmer oder als Selbständiger sein Leben bestreitet und
das Risiko eines Verlustes eingeht, muss auch eine höhere materielle Be-
lohnung erhalten, denn er trägt das Risiko, auch schlechtere Zeiten oder
Verluste zu erleiden.
Menschen scheuen sich vor dem Risiko, denn sie haben Angst vor Verlusten.
Die Verhaltenswissenschaft hat herausgefunden, dass ein Verlust
die Anleger doppelt so stark schmerzt, wie ein Gewinn sie erfreut.

Über die Überlegenheit von Aktien in der Geldanlage

An Aktien führt kein Weg vorbei. 
Doch meiden die meisten Anleger Aktien wie der Teufel das Weihwasser. Bei
vielen herrscht die Meinung, Aktien nutzten vor allem den Banken und seien
ohnehin nur etwas für Spekulanten und Reiche. Sie betrachten Aktien in
erster Linie als Zockerpapiere, mit denen man mit Cleverness, geschicktem
Timing und vor allem mit fleißigem Kaufen und Verkaufen überhaupt Gewinne
machen könne. Der Begriff Dividende sagt nur den wenigsten etwas.
Den Investmentcharakter eines Ertrags- und Substanzwerts kennen
die meisten Anleger zu wenig oder gar nicht. Dadurch, dass sie bei Aktieninvestments
vorwiegend auf die kurzfristigen Schwankungen programmiert
sind, verkürzt sich zwangsläufig ihr Anlagehorizont und in
gleichem Maße verkürzt sich auch ihre Rendite. Sie haben mit diesem
vielfach von den Banken geförderten Fehlverhalten folglich mit Aktien
zumeist keine guten Erfahrungen gemacht. Daraus erklärt sich, dass nur
sieben Prozent der Deutschen überhaupt Aktien halten. Nimmt man
noch Aktienfonds hinzu, sind es gerade mal zwölf Prozent. Die Risiken
von Aktien werden überschätzt, die Rendite jedoch unterschätzt. In den
meisten Fällen profitieren vom Erfolg der deutschen Unternehmen überwiegend
ausländische Aktionäre. Bei der Mehrzahl der DAX-Unternehmen
besitzen sie die Mehrheit der Aktien, teilweise mit Anteilen von über
80 Prozent, und folglich kassieren sie – und nicht die Deutschen – die oft

Die Aktie ist für viele Deutsche ein unbekanntes Wesen. Ich halte Aktien
in der Vermögensanlage für unverzichtbar. Aktien haben zwei Eigenschaften:
Einerseits sind sie Geschäftsanteile an einer Firma, die diese
Anteile an ihre Geldgeber – die Aktionäre – verkauft hat und sich damit
Kapital für Investitionen und für den laufenden Geschäftsbetrieb verschafft
hat. Man nennt dies das Eigen- oder Stammkapital. Ein Aktionär
besitzt also einen Teil der Firma – er ist Mitinhaber. Aktien sind für eine
florierende Volkswirtschaft von eminenter Bedeutung. Sie liefern das Kapital,
damit Firmen die notwendigen Investitionen tätigen können, um
im Wettbewerb zu bestehen.
Aus Anlegersicht sind Aktien außerdem auch das beste Vehikel zur
Vermögensbildung. Sie lassen ihren Besitzern das nominelle Wachstum
der Wirtschaft – das heißt das Wachstum einschließlich der Inflation – in
doppelter Weise zukommen: Steigende, auch inflationsbedingte Unternehmensgewinne
sorgen für steigende Aktienkurse und Dividenden. Aktien
sind also mittel- und langfristig wachstums- und inflationsindexiert.
Damit sind sie der beste Schutz vor Inflation und der wichtigste Baustein
einer Geldanlage. Diese Vorteile kommen aber den Zockern nicht zugute,
die Aktien nur als Instrument für Differenzgeschäfte benutzen. Lediglich
jene Anleger profitieren davon, die Aktien mittel- und langfristig als Teilhaber
an Unternehmen betrachten.
Aktien sind zudem die einzigen Sachwerte, die für Privatanleger täglich
handelbar sind. Das ist Segen und Fluch zugleich: Segen, weil man
sofort zu Geld kommt, wenn man es dringend braucht. Fluch, weil die
tägliche Kursnotiz in der Zeitung oder auf dem Bildschirm des Computers
den Anlegern das oft irrationale Auf und Ab an den Börsen ständig
vor Augen führt, ihnen somit Angst einjagt und zu Fehlreaktionen verführt.
Die oft erratischen Kursschwankungen von Aktien prägen das Bild,
das die meisten Deutschen sich von der Börse machen. Es ist ein großer
Irrtum, dass sie sich ein einseitiges Bild von Aktien machen und dass sie
Horrorgeschichten über ruinöse Kursverluste für den Regelfall halten.
In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Langfristig sind alle Börsen in nahezu
drei Viertel der Zeit gestiegen. Wie konnte es anders sein, wenn
die Renditen von Aktien – einschließlich wieder angelegter Dividenden –
langfristig in den Industrieländern neun bis zehn Prozent oder sogar darüber
pro Jahr erbracht haben? Dass Börsenkurse schwanken, ist normal.
Aber oft schlagen sie auch zu weit aus – in beiden Richtungen –, denn sie
kommen durch menschliches Handeln zustande, wo Fakten, aber auch
Emotionen mitspielen, oft getrieben von Angst und Gier.
Wenn ein Höhenflug, sei es bei einer einzelnen Aktie oder an der ganzen
Börse, zu weit gegangen ist, kommt es zu einer Korrektur und auch
diese Korrektur kann oft wieder übertrieben sein. Dann nennt man es einen
Crash. Nach einer gewissen Zeit wird die Übertreibung nach unten
wieder nach oben korrigiert, bis abermals ein gewisses Gleichgewicht erreicht
ist.
Werfen wir noch einen Blick auf den anderen maßgeblichen Sachwert,
auf die Immobilien, die auch als »Betongold« bezeichnet werden. Allein
die Bezeichnung »Betongold« zeigt die besondere Wertschätzung der
Deutschen für die Immobilie, wogegen nicht wenige die Aktie als »Teufelszeug
« betrachten. Kein Wunder, dass etwa gut die Hälfte des Gesamtvermögens
(zwölf Billionen Euro) in Immobilien und rund 36 Prozent in
heute renditelosen Zinsanlagen und Versicherungen steckt, jedoch nur
lächerliche fünf Prozent in Aktien.

Über die „Erfindung“ von Indexfonds und ETFs

Seit etwa einem Vierteljahrhundert gilt er als einer der größten »Revolutionäre
« der internationalen Finanzindustrie, aber vor 40 Jahren war er
von Börsenexperten und Medien noch als Narr verhöhnt worden: John
C. Bogle. Ein US-Amerikaner aus New Jersey, der von seinen inzwischen
zahllosen Freunden ebenso wie von seinen zeitweise ungezählten Feinden
nur »Jack« Bogle genannt wird. Was hat dieser Jack Bogle angestellt,
um so einen Wandel in der Einschätzung zu erreichen und Ende 1999 gar
vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune zu einem der vier Finanzgiganten
des 20. Jahrhunderts erwählt zu werden – zusammen mit
dem erfolgreichsten Investor der letzten Jahrzehnte, Warren Buffett, dem
legendären Fondsmanager Peter Lynch und dem Hedgefondsspekulanten
George Soros?
Er hat vor über 40 Jahren die Indexfonds für Privatanleger erfunden.
Sie bilden die Grundlage für die Revolution in der Finanzbranche zu den
seit Jahren immer beliebter gewordenen ETFs, also börsengehandelten
Indexfonds. Jack Bogle hat uns Anlegern als Pionier mit der Gründung
des ersten Indexfonds ein Investmentvehikel an die Hand gegeben, das
ich aufgrund seiner vielfältigen Vorteile für ein Geschenk des Himmels
halte. Insbesondere in der privaten Altersvorsorge bleiben Indexfonds für
die meisten Anleger unverzichtbar, um eine lukrative Rendite bei akzeptablen
Risiken zu erwirtschaften, aber auch für jeden anderen langfristigen
Sparprozess ist es von unschätzbarem Wert.
Jack Bogle ist, das nur am Rande, übrigens auch der Grund dafür, dass der
frühere amerikanische Notenbankchef Paul A. Volcker seine vor allem in
der Bankenkrise ab 2008 immer wieder zitierte berühmte Aussage korrigiert
hat: Die Finanzwirtschaft habe in den letzten Jahrzehnten nur eine
sinnvolle Innovation zustande gebracht, nämlich den Geldautomaten, hat
er stets moniert. Volcker erkennt inzwischen aber eine zweite Großtat der
Finanzbranche an: Bogles Erfindung von Indexfonds. Ja, ohne ihn gäbe es
bei uns möglicherweise auch jetzt noch keine ETFs. Da ich ETFs für einen
Glücksfall für private Anleger halte, verfolge ich Bogles Aufstieg und seinen
fast schon missionarischen Eifer, Anleger für das passive Investieren
zu begeistern und die Kosten von Fonds immer weiter zu drücken, seit
langem mit großem Interesse.
Dass es zu der bahnbrechenden Innovation der Indexfonds überhaupt
gekommen ist, haben wir einem Tiefschlag zu verdanken, den Jack Bogle
als Chef einer in Pennsylvania beheimateten Fondsgesellschaft namens
Vanguard verdauen musste: Seine Fondsmanager hatten sich Mitte der
1970er Jahre so schlimm verspekuliert, dass die Preise der Fondsanteile in
den Keller rutschten und die Anleger massenhaft Papiere verkauften. Da
beschloss Bogle eine radikale Wende in der Anlagepolitik. Aufgrund eigener
Studien – er hatte seine Doktorarbeit über Investmentfonds geschrieben
– und vor allem dank der Forschungsergebnisse von Universitätsprofessoren
reifte in ihm die Überzeugung, dass Fondsmanager und andere
Anleger mit ihrer subjektiven, prognosegetriebenen Aktienauswahl (dem
Stock Picking) auf Dauer daran scheitern werden, besser abzuschneiden
als der Index, an dem sie ihre Leistung messen. Das Gleiche dachte er von
den Versuchen der Experten, optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte an
den Finanzmärkten zu finden, also Timing zu betreiben. Denn das klappt,
das wusste er aus eigener Erfahrung, ebenfalls nur selten.
Jack Bogle hob aufgrund dieser Überzeugung 1976 den ersten »passiven
« Fonds aus der Taufe und nannte ihn Indexfonds. Passiv deshalb,
weil er einfach nur den Index nachbildet, also immer genau die Aktien
mit dem entsprechenden Anteil im Fonds hält, die auch im entsprechenden
Börsenbarometer vertreten sind. Da damals wie heute der breite Aktienindex
Standard & Poor’s 500 das mit Abstand wichtigste Kursbarome-
ter für amerikanische Aktien war, konstruierte Bogles Fondsgesellschaft
Vanguard den ersten Indexfonds als Nachbildung des allgemein mit S&P
500 abkürzten Kursindex. Bogle nannte ihn Vanguard 500 Index Fund.
Nicht zufällig hat Bogle als Name dieses ersten Indexfonds den Begriff
Vanguard, zu Deutsch Vorhut, gewählt.
Er setzte damit eine Idee um, die der damals berühmteste Wirtschaftswissenschaftler
der Welt, der Nobelpreisträger Paul A. Samuelson, in einem
Essay im Jahr 1974 in die Welt gesetzt hatte: Eine größere Gesellschaft
solle, so hatte der Professor vorgeschlagen, einen kostengünstigen
Fonds auflegen, der einfach den S&P 500 nachbilde. Denn wenn man die
Kosten berücksichtige, würden seiner Ansicht nach weder Stock noch
Bond Picker, zuverlässig den Markt schlagen. Nach Aktien und Anleihen
zu suchen, die sich besser als der Gesamtmarkt entwickeln, sei – so Samuelsons
Urteil – in den meisten Fällen zwecklos. Mit seinem provokativen
Essay machte sich Samuelson wenig Freunde an der Wall Street, aber
er gab den Anstoß für John Bogle.
Zahlreiche Finanzwissenschaftler haben in der Folgezeit die Aussagen
Samuelsons mit ihren Studien bestätigt. Danach hängen über 90 Prozent
der Rendite (und des Risikos) eines Fonds oder Portfolios von der Aufteilung
auf die verschiedenen Anlageklassen ab, der so genannten Asset Allocation.
Nur das restliche knappe Zehntel ist auf die Auswahl einzelner
Wertpapiere (Stock Picking) und das Market Timing, also das Suchen nach
günstigen Ein- und Ausstiegszeitpunkten, zurückzuführen.
Jack Bogle rechnete damit, dass in der Startphase rund 150 Millionen
Dollar in den neuen Fonds fließen würden. In Wirklichkeit wurden es gerade
einmal gut elf Millionen Dollar. Die Ironie an der Geschichte: Bogle
erlitt am eigenen Leib, wie schwierig es ist, richtige Prognosen zu tätigen,
nicht nur beim Mittelaufkommen eines Fonds, sondern erst recht bei Aktienkursen,
die von so vielen verschiedenen Faktoren beeinflussbar sind.
Doch der Vanguard-Chef hielt trotz des Rückschlags hartnäckig an seiner
Idee fest, auch wenn Kritiker über »Bogles Folly«, also seine Narretei,
spotteten oder seine Methode gar als »unamerikanisch« verunglimpften.
Denn ein US-Unternehmen, so die Begründung, gibt sich nie mit dem
Durchschnitt zufrieden, sondern strebt immer die Spitze an, strebt immer
danach, besser zu sein als die Konkurrenten. Professor Samuelson
war einer der wenigen, die öffentlich Bogles Indexfonds lobten. »Meine
Gebete wurden früher als erwartet erhört«, schrieb er bereits kurz nach
Bogles »Revolution« in einer Kolumne im Nachrichtenmagazin Newsweek.
Und er lobte die vielen Vorzüge des Fonds, der den S&P 500 einfach
nur kopiert. Heute ist Vanguard mit 370 verschiedenen Fonds und ETFs und 20
Millionen Kunden eine der größten Investmentgesellschaften der Welt.
Niemand spottet mehr über John Bogle. Im Herbst 2017 hat sein Unternehmen
auch den Einstieg in den deutschen ETF-Markt vollzogen. 

Global betrug das von allen Fondsgesellschaften in ETFs verwaltete Vermögen
Mitte 2017 über vier Billionen US-Dollar (Ende 2017 waren es schon fast fünf Billionen). Die Grafik zeigt eindrucksvoll die Dynamik, mit der das Volumen der weltweit in ETFs angelegten Gelder gewachsen ist. Indexfonds wurden von Finanzfachleuten nicht ohne Grund als »die wichtigste Investmentinnovation der vergangenen 30 Jahre« eingestuft.

Über den Vormarsch von „Robotern“ in der Geldanlage

Das klingt gut: Robo-Advisor, also Roboter, die Sparer in Finanzfragen
beraten. Man kann es auch einfacher ausdrücken: automatisierte
Anlageberatung per Internet. Insbesondere im Geschäft mit privaten
Wertpapierkunden sollen diese Robo-Advisor Bankberatern und
Vermögensverwaltern Konkurrenz machen. Zielgruppe sind in erster
Linie junge Anleger, die mit dem Internet aufgewachsen sind, also die
»Digital Natives«. Robo-Advisor sind in den USA bereits seit längerem
aktiv und wurden in Deutschland ab 2014 zunächst vorwiegend
von jungen Start-ups auf den Markt gebracht, so genannten Fintechs.
Inzwischen aber offerieren zunehmend auch Direktbanken und immer
mehr Filialbanken digitale Ratgeber für Anleger, zum Teil in Kooperation
mit Fintech-Firmen. Auch ETF-Anbieter arbeiten vermehrt
mit Robo-Advisorn zusammen.
Denn diese digitalen Finanzberater verwenden vor allem ETFs als
Bausteine für die von ihnen vorgeschlagenen und angebotenen standardisierten
Wertpapierdepots. Der Grund ist klar: Sie sind kostengünstig,
einfach zu verstehen und ermöglichen auch jungen Leuten
mit relativ geringen Ersparnissen eine breite Streuung ihrer Aktienund
Zinsanlagen. Bei den Robo-Advisorn ist, zumindest bei den fortschrittlichen
Angeboten, alles automatisiert und standardisiert. Von
der Einrichtung eines Depots über die Risikoeinstufung, die Wahl der
Strategie und die passenden ETFs bis hin zum Rebalancing, also der
Anpassung der gewählten Depotstruktur – alles können die Algorithmen
der digitalen Ratgeber online abwickeln. Das ist natürlich nicht
kostenlos zu haben. Die Fintechs ebenso wie die Banken verlangen dafür
Gebühren und Provisionen. Die Kostenunterschiede zwischen den
Anbietern sind relativ groß. Wer auf Roboter setzt, sollte also vorher
genau die Kosten vergleichen. Aber wer sich ein wenig auskennt mit
ETFs, kann auf die Automaten auch verzichten, denn mit Indexfonds
lässt sich relativ leicht selbst ein Depot oder ein Sparplan erstellen.
Bisher haben die digitalen Berater noch nicht den durchschlagenden
Erfolg, den viele erwartet hatten. Für Ende 2017 wurde das verwaltete
Vermögen in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro geschätzt.
Aber da die Banken nun stärker mitmischen, dürfte das Wachstumstempo
zulegen. Wenn mit Hilfe der Robo-Advisor mehr junge Menschen
als bisher, aber natürlich auch ältere Anleger, an Aktien herangeführt
werden, wäre das eine prima Sache.

 

Über die Vorteile eines auf der Basis von ETFs strukturierten Depots

1. Übersichtliches und transparentes Depot mit nur wenigen Einzelpositionen
2. Passgenaue Struktur, je nach individueller Risikoneigung und Risikotragfähigkeit
3. Höchstmögliche Sicherheit durch breite globale Diversifikation
von Aktien und Anleihen
4. Mühelos international investieren mit simplen Indexfonds – das
erhöht die Rendite und dämpft die Schwankungen
5. Langfristig überdurchschnittliche Rendite – durch Übergewichtung
überlegener Aktienklassen
6. Genaue Festlegung und Aufrechterhaltung des persönlichen Risikograds
7. Deutliche Kostenminderung durch geringe jährliche ETF-Gebühren
und nur wenigen Umschichtungen
8. Wenig zeitlicher Aufwand, da keine aufwändige Selektion und
Überwachung
9. »Nervenschonendes« Investment, da schwankungsarm, weil ein
ETF-Depot breiter diversifiziert ist als herkömmliche Depots
10. Sparpläne und Einzeldepots – auch mit kleinen Beiträgen für jeden
möglich

 

Über die Rolle von Aktien in der Altersvorsorge

Mein Antrieb zu diesem Buch ist, die deutschen Sparer besser zu informieren
und zu erfolgreichen Anlegern zu machen. Gerade in der heutigen
Zeit ist die Ratlosigkeit der Anleger so groß, wie ich es noch nie erlebt
habe.
Insbesondere für junge Berufstätige und für Frauen in schlecht bezahlten
Jobs wird der verhinderte Vermögensaufbau zu schwerwiegenden
Nachteilen bei der Altersrente führen. Das Risiko, im Alter arm zu sein,
wird in den nächsten 20 Jahren bei einigen Bevölkerungsgruppen deutlich
steigen. An erster Stelle gilt dies beschämenderweise für die Frauen.
Durch Kindererziehung oder Scheidung etwa konnten sie nicht genug
Rentenpunkte ansammeln, um auskömmlich im Alter zu leben. Mehr als
jede vierte Rentnerin wird Prognosen zufolge den Gang zum Sozialamt
antreten müssen.
Aber auch die Berufsanfänger, die, anders als früher, öfter in prekärer
Beschäftigung landen oder sich mit befristeten Verträgen von Job zu
Job hangeln müssen, werden vielfach Lücken bei ihren Beitragszahlungen
aufweisen. Wer dann keine zusätzliche private Vorsorge getroffen
hat, wird abrutschen. Aber auch diejenigen, die sich einzig und allein auf
die staatliche Rente verlassen, werden im Alter Probleme bekommen und
ihren gewohnten Lebensstandard bei weitem nicht mehr halten können.
Gerade für junge Menschen, die nicht ständig am Erwerbsleben teilnehmen
können, ist dies ein sinnvoller Weg: Jeden Euro, den man über
die finanziellen Reserven für Notfälle und kleinere Anschaffungen hinaus
erübrigen kann, sollte man zunächst in Aktien oder Aktienfonds stecken.
Auf diese Weise kann man am Wachstum der Wirtschaft indirekt teilnehmen.
An die Stelle eines regelmäßigen Gehalts treten auf lange Sicht, besonders
aber im Rentenalter, steigende Dividenden und die Kursgewinne
aus Aktienanlagen. Getreu den weisen Worten des legendären Investors
Bernard Baruch: »Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld auszugeben. Aber
nur zwei, es zu verdienen: Entweder wir arbeiten für Geld oder wir lassen
Geld für uns arbeiten.« Lassen Sie Ihr Geld also arbeiten und damit die
Lücken in Ihrem Arbeitseinkommen überbrücken.
Es führt bis tief in die Mittelschicht hinein kein Weg daran vorbei, dass
die Deutschen ihre Ersparnisse viel rentabler anlegen müssen, als das bisher
ihre Eltern oder Großeltern mit ihrem einfallslosen und die meiste
Zeit über unrentablen Zinssparen getan haben. Sehr viele Menschen in
Deutschland sehen sich einem gewaltigen Dilemma gegenüber, wenn sie
an die Zeit ihres Rentenalters denken. Auf der einen Seite wissen sie, wie
ich ausführlich geschildert habe, dass die gesetzliche Rente bei weitem
nicht ausreichen wird, um finanziell auch nur annähernd über die Runden
zu kommen. Dies gilt vor allem für die jüngere Generation, von der
viele Männer und noch viel mehr Frauen von Altersarmut bedroht sein
werden. Und diejenigen, die lange Zeit gut verdient haben, müssen sich
auf erhebliche Abstriche ihres Lebensstandards einstellen, wenn sie sich
nur auf die gesetzliche Rente verlassen haben.
Deshalb müssten die Deutschen eigentlich die größer und größer werdende
Rentenlücke durch verstärkte private und betriebliche Vorsorge zumindest
zu einem guten Teil ausfüllen. Einzig und allein dann können sie
ihren Ruhestand voraussichtlich in materieller Sicherheit und ohne übermächtige
finanzielle Sorgen genießen.

 

Über das Desaster der Riester-Versicherung

Warum jedoch sind die Erträge aus Riester-Versicherungen so gering
und auch bei den anderen Riester-Formen alles andere als üppig? Die hohen
Verwaltungskosten und die »falsche«, nämlich zu zinslastige Geldanlage
habe ich ja schon angesprochen. Hinzu kommen noch zwei gravierende
Konstruktionsfehler, die der Riester-Rente jegliche Attraktivität rauben.
Das sind erstens die überzogenen Garantien, die der Staat in seinem
Sicherheitswahn verordnet hat. Da Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften
ihren Kunden die Garantie geben müssen, dass sie mindestens
die eingezahlten Beiträge beim Eintritt in den Ruhestand bekommen und
dass ihre Rentenzahlungen anschließend lebenslang gelten, müssen die
Unternehmen zwangsläufig übervorsichtig agieren. Denn die Garantien
umfassen ja viele Jahrzehnte. Und das kostet enorme Summen. Abgesichert
wird die Garantie mit der sichersten Anlage, also Staatsanleihen,
und je tiefer deren Zinsen gefallen sind, desto teurer wird die Garantie.
Denn dann muss ein immer größerer Teil der Beiträge in Staatsanleihen
angelegt werden, und für Aktien und andere Investments bleibt zum Teil
gar nichts mehr übrig.
In einem Gutachten zur Riester-Rente für die »Wirtschaftsweisen« haben
Ende 2016 vier Wissenschaftler unter der Leitung des bekannten Rentenforschers
Axel Börsch-Supan festgestellt: »Schätzungen zeigen, dass
die Garantiekosten bei einem Vertrag mit rund 40-jähriger Laufzeit im
Zeitraum von 2001 bis 2015 von ca. 20.000 Euro auf ungefähr 140.000
Euro dramatisch gestiegen sind, ohne dass sich die ohnehin unter einem
Prozent liegende Wahrscheinlichkeit des Garantiefalls maßgeblich vergrößert
hat.« Das muss man eigentlich nicht kommentieren – ich tue es
trotzdem.
Für einen Garantiefall, der bei weniger als einem Prozent (manche Berechnungen
sehen sogar weniger als ein halbes Prozent) der Verträge eintritt,
müssen die Riester-Versicherungskunden bis zu 140.000 Euro an
Kosten tragen. Für so eine Vorschrift ist der Begriff »irrwitzig« noch viel
zu moderat. Das spottet tatsächlich jeder Beschreibung. Frank Breiting von
der Deutsche Asset Management, einer Tochter der Deutschen Bank, hat es auf
den Punkt gebracht: »Die Kosten der Kapitalgarantie sind unfassbar hoch.
Dabei ist die einzige Garantie, dass man keine Rendite bekommt.«
Der zweite »Irrwitz« geht eher zu Lasten der Versicherungen, auch
wenn der Staat daran beteiligt ist. Ich meine damit die speziellen Sterbetafeln,
die bei den Kalkulationen der Riester-Rente verwendet werden.
Sterbetafeln zeigen an, wie lange jemand in einem bestimmten Alter im
Durchschnitt noch leben wird. Auf dieser Basis werden die Beiträge und
später die Rentenhöhen berechnet. Das Statistische Bundesamt erstellt dazu
Schätzungen für die Zukunft. Die aber sind für die Versicherer nicht
gut genug. Sie haben eigene Sterbetafeln erstellt – und denen zufolge leben
die Menschen vier bis fünf Jahre länger, als es das Statistische Bundesamt
prognostiziert. Ist ja toll, wenn wir länger leben, mögen Sie denken.
Da haben Sie natürlich Recht – aber in Bezug auf die Riester-Rente ist
das alles andere als toll. Klar, die Versicherer müssen vorsichtig kalkulieren,
aber mit ihren Sterbetafeln sind sie, darin sind sich die Experten
weitgehend einig, weit über das Ziel hinausgeschossen. Und das kostet
die Kunden eine Menge Geld. Axel Kleinlein, der Chef des Bundes der Versicherten
sagt knallhart: Die Versicherer »verwenden Sterbetafeln, die mit
der Realität nichts zu tun haben. Aus Sicht der Unternehmen verständlich,
denn dadurch lässt sich viel Geld verdienen.«
Warum das so ist? Wenn Sie eine lebenslange Rente garantiert bekommen,
hängt deren Höhe davon ab, wie lange Sie die wahrscheinlich bezie-
hen werden. Denn Ihre bis zum Renteneintritt angesparten Riester-Leistungen
werden auf die Zahl der Jahre verteilt, die Sie nach der Sterbetafel
noch leben werden, wenn Sie genau den Durchschnitt erreichen. Und da
macht es viel aus, ob die Sparsumme 20 oder 25 Jahre reichen soll.
Die Versicherer kalkulieren anhand ihrer speziellen Sterbetafeln so
übervorsichtig, dass die monatlichen Rentenzahlungen deutlich niedriger
ausfallen, als es beim Statistischen Bundesamt der Fall wäre. Sie ziehen,
wenn man einen 65- bis 67-jährigen Neurentner als Beispiel nimmt,
laut Stiftung Warentest gleich einmal 25 bis 27 Prozent des angesparten
Riester-Kapitals als Versicherungsanteil ab. Es stehen also nur 73 bis 75
Prozent zum Anlegen und Erträge generieren zur Verfügung. Dass dann
nicht mehr viel für die Verzinsung des Kapitals übrig bleibt, versteht sich
von selbst.

 

Über den Aufbau eines ETF-Depots

Fangen wir mit der Anlage einer vorhandenen Sparsumme an, die derzeit
vielleicht noch auf Tagesgeldkonten lagert. Bereits mit rund 10.000
Euro lässt sich ein solides und ertragreiches Depot mit breiter Streuung
erstellen.
Ich habe 10.000 Euro gewählt, weil die Anlagestruktur bequem auch
mit größeren Beträgen abgebildet werden kann. Die Summen, die für die
einzelnen ETF-Bestandteile aufgewendet werden, sind einfach zu ermitteln.
Wer beispielsweise 20.000 Euro anlegen kann, muss die unten angegeben
Beträge nur verdoppeln, wer 17.000 Euro investiert, muss die Beträge
eben mit 1,7 multiplizieren. Auch geringere Anlagesummen als 10.000
Euro lassen sich leicht auf die ETFs umrechnen, bei 7.000 Euro entfallen
entsprechend 70 Prozent auf jeden ETF. Allerdings sollten Anleger darauf
achten, dass die einzelnen ETFs nicht zu geringe Beträge aufweisen. Das
kann, vor allem bei Filialbanken, sonst relativ hohe Gebühren verschlingen.
Bei Beträgen in der Größenordnung um 10.000 Euro sollten Anleger
Value-/Dividenden-Aktien, Nebenwerte und Emerging-Markets-Aktien bevorzugen.
Bei einem reinen Aktien-Portfolio finden Sie die möglichen
Bestandteile in meiner Liste, das »Warenlager« der ETFs, auf den kommenden
Seiten. Wenn Sie die dort zu den einzelnen ETFs angegebene
Wertpapierkennnummer ISIN im Internet eingeben (entweder über eine
Suchmaschine oder noch besser auf der Homepage einer Direktbank), erhalten
Sie noch detailliertere Informationen, als ich sie im »Warenlager«
aufgeführt habe.
Die Basis eines solchen Depots über 10.000 Euro sollte ein ETF sein,
der die Aktien der Standardwerte aus den Industriestaaten abbildet, am
besten ein Indexfonds auf den MSCI World mit über 1.600 Einzeltiteln.
Für den Value-Anteil können Sie den Index MSCI World Value Factor
nehmen. Dieser Index enthält über 400 Value-Aktien global. Ich habe
zwei Produkte dazu in meinem »Warenlager.« Als weiteren Index können
Sie den MSCI World Size Factor kaufen. Er enthält die mittelgroßen Aktien
der Industrieländer. Wahlweise können Sie den MSCI World Small
Cap nehmen, der aus Aktien der kleinen Nebenwerte der Industrieländer
besteht. Nun fehlen noch die Emerging Markets. Um diese abzudecken,
scheint mir der Index MSCI Emerging Markets ideal. Er enthält die wichtigsten
Aktien aus den Schwellenländern.
Wir haben also mit vier Indizes die Aktien der Standardwerte, die
Value-Aktien (Substanzwerte), die kleinen Aktien sowie die Aktien der
Emerging Markets weltweit abgedeckt. Je nachdem welchen ETF aus dem
»Warenlager« Sie verwenden, haben Sie mit gerade einmal vier Einzelti-
teln insgesamt rund 3.800 bis 5.300 Aktien in Ihrem Portfolio von 10.000
Euro. Sie können in diese vier ETFs zu gleichen Teilen investieren, das
heißt je 2.500 Euro pro Indexfonds.

 

Über den Unsinn des Hin- und Herhandelns

Die meisten Anleger begehen den Fehler, ihr Depot zu oft umzuschichten.
Das wirkt sich doppelt negativ auf die Rendite aus: Sie agieren häufig
impulsiv und unüberlegt auf kurzfristige Ereignisse und treffen deshalb
falsche Entscheidungen, die ihre langfristige Rendite drücken. Die Kosten
des vielen Kaufens und Verkaufens schmälern zusätzlich die Erträge.
Eine Untersuchung der Finanzprofessoren Andreas Hackethal und
Steffen Meyer bei 40.000 Kunden von Direktbanken zeigt, dass die Anleger
mit den wenigsten Transaktionen in den zehn Jahren von 2005 bis
2015 die höchsten Renditen nach Kosten erzielt haben, die Spekulanten
mit den meisten Trades haben sogar Verluste erlitten. Nicht erstaunlich
ist, dass auch die Renditen vor Abzug der Kosten bei den Anlegern mit
den wenigsten Aktionen am höchsten waren und die mit den meisten
Trades am niedrigsten.